Kontaktallergie
Allergisch
auf künstliche Nägel
Künstliche Nägel werden immer beliebter:
Schätzungsweise jede zweite bis dritte Frau zwischen 15
und 50 Jahren lässt sich mit natürlich gestalteten oder
fantasievoll verzierten künstlichen Fingernägeln verschönern.1
Doch nicht jeder verträgt die neuen Nägel ohne Probleme.
„Die zur Befestigung künstlicher Nägel häufig
verwendeten Methacrylate können eine unangenehme
Kontaktallergie auslösen“, erläutert der Göttinger
Hautarzt Professor Dr. Thomas Fuchs vom Ärzteverband
Deutscher Allergologen (ÄDA). „Die Betroffenen leiden
unter Bläschenbildung und Juckreiz.“ Wichtigste Maßnahme
in der Behandlung von Kontaktallergien ist das Meiden des
Allergieauslösers. „Auf die schönen neuen Nägel müssen
die Patienten aber nicht unbedingt verzichten“, so
Fuchs. „Acrylat-freie Gels zur Befestigung der Nägel können
bereits zu einer weitgehenden Beschwerdefreiheit führen.“
Sabine Möck, staatlich geprüfte
Nageldesignerin (HWK) und Schulungsleiterin für
Nagelkosmetik aus Langenbrettach, schätzt, dass etwa ein
Prozent der Frauen mit künstlichen Nägeln an einer
Kontaktallergie leiden. Häufiger betroffen sind
Mitarbeiter in Nagelstudios. Auch Sabine Möck leidet an
einer Acrylat-Allergie: „Etwa zwei bis drei Stunden nach
dem Befestigen künstlicher Nägel und deren Aushärtung
bildeten sich an meinen Händen kleine rote Pickel, die
heftig juckten. Da half nur noch Kortison.“ Die
Nagelstylistin Möck verwendet jetzt ein acrylatfreies Gel
und hat praktisch keine Beschwerden mehr.
Wissenschaftler aus Israel stellten bei
Patienten mit Verdacht auf Kontaktallergie durch künstliche
Nägel als Allergieursache 2-Hydroxyethyl-Methacrylat und
2-Hydroxypropyl-Methacrylat, Ethylenglykol-Dimethacrylat
und Ethyl-Cyanoacrylat fest.2 Diese
Acrylmonomere sind bedeutende Auslöser für
Kontaktallergien und allergisch bedingte Berufskrankheiten
bei Zahnärzten, Zahntechnikern, Orthopäden,
Krankenschwestern und Nagelstylisten. In einer Hautklinik
in Schweden wurden zwischen 1995 und 1998 insgesamt 174
Beschäftigte aus zahnärztlichen Praxen oder Labors auf
Allergien untersucht. Bei 109 (63 Prozent) bestand ein
Handekzem. Die häufigste Allergieursache waren Acrylate.
Sie waren bei 22 Prozent (24/109) die Auslöser der
Beschwerden.3
Bei der Aushärtung von Methacrylaten
entstehen Dämpfe, die eine allergische Reaktion der Haut
an Händen und Fingern auslösen. Besonders Patienten mit
berufsbedingter Kontaktallergie auf Acrylate leiden häufig
auch unter Symptomen an den Unterarmen, im Gesicht und
Nacken.2 Missempfindungen (Parästhesien) wie
Kribbeln und Taubheitsgefühle sind selten, können aber
bis zu acht Monate anhalten. In Tierversuchen zeigten
Acrylate einen neurotoxischen Effekt.4
Der Hautarzt und Allergologe Professor
Thomas Fuchs empfiehlt, bei Handekzemen oder Verdacht auf
eine Kontaktallergie einen allergologisch ausgebildeten
Facharzt aufzusuchen: „Eine fachärztliche
allergologische Diagnostik ist wichtig, um die
Allergieauslöser eindeutig festzustellen und die richtige
Therapie zu beginnen.“
1.
Telefonische Auskunft von Sabine Möck, staatlich
geprüfte Nageldesignerin (HWK) und Schulungsleiterin für
Nagelkosmetik bei Nails2000, Langenbrettach.
2.
Lazarov A. Sensitization to acrylates is a common
adverse reaction to artificial fingernails. J Eur Acad
Dermatol Venereol 21(2):169-174, 2007.
3.
Wrangsjo K et al. Occupational dermatitis in dental
personnel: contact dermatitis wth special reference to (meth)acrylates
in 174 patients. Contact Dermatitis 45(3):158-163, 2001.
4.
Slodownik D et al. Prolonged paresthesia due to
sculptured acrylic nails. Contact Dermatitis 56:298-299,
2007.