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22. Juni 2007


Kontaktallergie

Allergisch auf künstliche Nägel

Künstliche Nägel werden immer beliebter: Schätzungsweise jede zweite bis dritte Frau zwischen 15 und 50 Jahren lässt sich mit natürlich gestalteten oder fantasievoll verzierten künstlichen Fingernägeln verschönern.1 Doch nicht jeder verträgt die neuen Nägel ohne Probleme. „Die zur Befestigung künstlicher Nägel häufig verwendeten Methacrylate können eine unangenehme Kontaktallergie auslösen“, erläutert der Göttinger Hautarzt Professor Dr. Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA). „Die Betroffenen leiden unter Bläschenbildung und Juckreiz.“ Wichtigste Maßnahme in der Behandlung von Kontaktallergien ist das Meiden des Allergieauslösers. „Auf die schönen neuen Nägel müssen die Patienten aber nicht unbedingt verzichten“, so Fuchs. „Acrylat-freie Gels zur Befestigung der Nägel können bereits zu einer weitgehenden Beschwerdefreiheit führen.“

Sabine Möck, staatlich geprüfte Nageldesignerin (HWK) und Schulungsleiterin für Nagelkosmetik aus Langenbrettach, schätzt, dass etwa ein Prozent der Frauen mit künstlichen Nägeln an einer Kontaktallergie leiden. Häufiger betroffen sind Mitarbeiter in Nagelstudios. Auch Sabine Möck leidet an einer Acrylat-Allergie: „Etwa zwei bis drei Stunden nach dem Befestigen künstlicher Nägel und deren Aushärtung bildeten sich an meinen Händen kleine rote Pickel, die heftig juckten. Da half nur noch Kortison.“ Die Nagelstylistin Möck verwendet jetzt ein acrylatfreies Gel und hat praktisch keine Beschwerden mehr.

Wissenschaftler aus Israel stellten bei Patienten mit Verdacht auf Kontaktallergie durch künstliche Nägel als Allergieursache 2-Hydroxyethyl-Methacrylat und 2-Hydroxypropyl-Methacrylat, Ethylenglykol-Dimethacrylat und Ethyl-Cyanoacrylat fest.2 Diese Acrylmonomere sind bedeutende Auslöser für Kontaktallergien und allergisch bedingte Berufskrankheiten bei Zahnärzten, Zahntechnikern, Orthopäden, Krankenschwestern und Nagelstylisten. In einer Hautklinik in Schweden wurden zwischen 1995 und 1998 insgesamt 174 Beschäftigte aus zahnärztlichen Praxen oder Labors auf Allergien untersucht. Bei 109 (63 Prozent) bestand ein Handekzem. Die häufigste Allergieursache waren Acrylate. Sie waren bei 22 Prozent (24/109) die Auslöser der Beschwerden.3

Bei der Aushärtung von Methacrylaten entstehen Dämpfe, die eine allergische Reaktion der Haut an Händen und Fingern auslösen. Besonders Patienten mit berufsbedingter Kontaktallergie auf Acrylate leiden häufig auch unter Symptomen an den Unterarmen, im Gesicht und Nacken.2 Missempfindungen (Parästhesien) wie Kribbeln und Taubheitsgefühle sind selten, können aber bis zu acht Monate anhalten. In Tierversuchen zeigten Acrylate einen neurotoxischen Effekt.4

Der Hautarzt und Allergologe Professor Thomas Fuchs empfiehlt, bei Handekzemen oder Verdacht auf eine Kontaktallergie einen allergologisch ausgebildeten Facharzt aufzusuchen: „Eine fachärztliche allergologische Diagnostik ist wichtig, um die Allergieauslöser eindeutig festzustellen und die richtige Therapie zu beginnen.“

1.  Telefonische Auskunft von Sabine Möck, staatlich geprüfte Nageldesignerin (HWK) und Schulungsleiterin für Nagelkosmetik bei Nails2000, Langenbrettach.

2.  Lazarov A. Sensitization to acrylates is a common adverse reaction to artificial fingernails. J Eur Acad Dermatol Venereol 21(2):169-174, 2007.

3.  Wrangsjo K et al. Occupational dermatitis in dental personnel: contact dermatitis wth special reference to (meth)acrylates in 174 patients. Contact Dermatitis 45(3):158-163, 2001.

4.  Slodownik D et al. Prolonged paresthesia due to sculptured acrylic nails. Contact Dermatitis 56:298-299, 2007.

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