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Leitlinie "Heuschnupfen" hier (allergische Rhinokonjunktivitis) der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI),in Abstimmung mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG)

 


Nahrungsmittel-Allergiker
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Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e. V. (DGAKI)
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA)

22. Juni 2007


Nahrungsmittel-Allergie

Juckreiz, Quaddeln, Atemnot – wenn das Essen krank macht

Während ihrer ganzen Kindheit und Jugendzeit hatte die heute 28 Jahre alte Leni S. viele Milchprodukte gegessen und problemlos vertragen. Im Alter von 20 Jahren bekam Leni etwa eine Stunde nach dem Trinken von Kakao plötzlich juckende Quaddeln im Gesicht und am Körper. Eine Woche später traten beim Sport innerhalb von Minuten starke Schwellungen im Gesicht und am ganzen Körper auf. Dies ging mit Juckreiz, Atemnot und Schwindel einher. Es war eine Notfallbehandlung notwendig. Eine Allergiediagnostik ergab bei Leni S. eine Allergie auf Milcheiweiß. Eine milchhaltige Mahlzeit vor dem Sport hatte die heftigen Beschwerden ausgelöst. Seither meidet sie sehr sorgfältig, alle Speisen, die Milch, Butter, Sahne, Joghurt, Käse und andere Milchprodukte enthalten könnten. Dennoch kam es seither immer einmal wieder zu recht dramatischen allergischen Reaktionen, wenn ein vermeintlich Milcheiweiß-freies Nahrungsmittel doch Spuren des Allergieauslösers enthielt. „Schon ein wenig Butter zum Anbraten, etwas Milcheiweiß in der Wurst oder verunreinigtes Besteck können bei mir zu Quaddeln, Juckreiz und Atemnot führen“, sagt die Allergikerin Leni S.

„Eine Nahrungsmittel-Allergie sollte von einem allergologisch ausgebildeten Facharzt behandelt werden. Denn bei den Betroffenen kann der Rachen anschwellen und die Luft knapp werden. Durch akute Atemnot oder einen Kreislaufzusammenbruch besteht dann sogar Lebensgefahr“, sagt der Göttinger Allergologe Professor Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA). Ist es bei einem Nahrungsmittel-Allergiker bereits zu sehr schweren allergischen Reaktionen oder einem allergischen Schock (Anaphylaxie) gekommen, muss der Patient immer Antihistaminika, Kortison und Adrenalin als Notfallmedikamente dabei haben. Denn bereits geringe Allergenspuren, wie sie als Verunreinigung in eine Speise gelangen oder durch einen Kuss übertragen werden, können einen lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock auslösen.1
„Anaphylaxie gefährdete Patienten müssen im Umgang mit den Notfallmedikamenten sehr gut geschult werden. Leider setzen im Ernstfall viele das manchmal lebensrettende Adrenalin nicht ein“, bedauert Fuchs.

Beratung bei Auswahl der richtigen Lebensmittel wichtig

Patienten mit einer Allergie auf Nahrungsmittel sollten nach Auskunft von Fuchs außerdem eine qualifizierte Ernährungsberatung erhalten. „Im Rahmen der notwendigen Ernährungsumstellung reicht es nicht, einfach dass Allergie auslösende Lebensmittel wegzulassen“, so der Allergologe. „Wenn bestimmte Nahrungsmittel gemieden werden, besteht immer die Gefahr einer Unterversorgung mit wichtigen Vitaminen oder Mineralien“, erläutert Dr. Imke Reese vom Arbeitskreis Diätetik in der Allergologie e. V. (www.ak-dida.de) aus München. „So ist bei Menschen mit einer Milchallergie die Versorgung mit Kalzium gefährdet.“ Wenn Betroffene bestimmte Nahrungsmittel aus dem Speiseplan streichen müssen, sollten sie die Ernährungsumstellung mit einer allergologisch versierten Ernährungsfachkraft besprechen. So beugen Nahrungsmittel-Allergiker der Unterversorgung mit wichtigen Nahrungsbestandteilen vor. „Viele Allergologen kooperieren bei der Behandlung ihrer Patienten sehr erfolgreich mit Ernährungsfachleuten. Damit kann die Lebensqualität der Allergiker deutlich erhöht werden“, sagt der Allergologe Professor Fuchs.

Restrisiko bleibt trotz Deklaration

Ein Problem für Nahrungsmittel-Allergiker sind industriell gefertigten Lebensmittel, denen oftmals Nüsse, Sellerie, Soja, Eier oder Milch zugesetzt werden. Seit 2005 müssen Hersteller nach EU-Recht die wichtigsten Allergene auf der Verpackung von Lebensmitteln deklarieren: Glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Kamut), Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Soja, Milch, diverse Nussarten (Mandel, Hasel-, Wal-, Cashew-, Peka- und Paranuss, Pistazie und Macadamianuss), Sellerie, Senf, Sesamsamen und die Pseudoallergene Schwefeldioxid und Sulfite. Diese Inhaltsstoffe müssen auch angegeben werden, wenn sie nur Bestandteil von Gewürz- oder Kräutermischungen sind. Die Kennzeichnungspflicht ist eine große Hilfe für Allergiker – bietet aber keine völlige Sicherheit. „Produktionsbedingt können unbeabsichtigt Spuren von Allergenen enthalten sein, die ausreichen, um Symptome auszulösen. Für Allergiker besteht daher immer ein Restrisiko“, warnt Fuchs. „Unbedingt muss auch daran gedacht werden, dass sich manchmal die Rezepturen der Lebensmittel ändern. Selbst bei einem häufig konsumierten Produkt muss also auf jeder neuen Verpackung die Zutatenliste kontrolliert werden.“ Bei unverpackter Ware ist bisher keine Kennzeichnung erforderlich. Etwas Sicherheit kann hier nur eine vertrauenswürdige Auskunft des Herstellers bieten.2

Pollenallergiker leiden oft unter Kreuzallergien

Etwa 20 Prozent der erwachsenen Menschen in Industrienationen glauben, an einer Allergie auf Nahrungsmittel zu leiden. Bei vielen sind aber nicht-allergische Unverträglichkeitsreaktionen, beispielsweise eine Lactoseintoleranz oder eine Glutenunverträglichkeit, Ursache der Beschwerden. Tatsächlich leiden an einer Nahrungsmittel-Allergie nur ein bis zwei Prozent der Erwachsenen und vier bis acht Prozent der Kinder.1 Nüsse, Erdnüsse, Sellerie, Soja, Milch und Hühnereier führen die „Hitliste“ der Nahrungsmittel an, die am häufigsten Allergien verursachen.

Relativ häufig sind bei Heuschnupfenpatienten Kreuzallergien zwischen Pollen und Nahrungsmittel: Die Allergene aus Gräser-, Kräuter- oder Baumpollen gleichen in ihrer Struktur bestimmten Eiweißstoffen aus Früchten oder Gemüsesorten. Ist das Immunsystem auf ein Pollenallergen sensibilisiert, spielt es auch beim Kontakt mit ähnlichen Strukturen aus anderen Pflanzen verrückt. „Viele Birkenpollenallergiker vertragen aufgrund einer immunologischen Kreuzreaktion kein Kernobst und keine Nüsse“, erläutert der Vorsitzende der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), Professor Carl Peter Bauer aus Gaißach. „Diese Patienten spüren nach dem Verzehr von Äpfeln oder Haselnüssen recht unangenehme Symptome wie Schwellungen und Juckreiz in Mund und Rachen. Eine Allergie-Impfung mit Pollenallergenen kann auch Kreuzallergien bessern. “

Baumpollen-Allergiker vertragen oft keine Äpfel, Kirschen, Pflaumen, Nüsse, Kiwi und Erdbeeren. Menschen mit einer Allergie auf Gräser und Getreide können Probleme beim Verzehr von Getreideprodukten und Hülsenfrüchten wie Erdnüsse oder Soja bekommen. Für Kräuterpollen-Allergiker, besonders bei einer Allergie auf Beifuß, können Sellerie, Mohrrüben und viele Gewürze gefährlich sein. Es sind aber nicht nur Pollenallergiker, die aufpassen müssen: Bei einer Allergie auf Naturgummi-Latex – beispielsweise in Gummihandschuhen – kann eine Kreuzreaktion zu Bananen, Kiwi und Avocados bestehen, und Hausstaubmilben-Allergiker reagieren oftmals allergisch auf Meeresfrüchte wie Muscheln oder Krebstiere.

Allergologe und Ernährungsberater bieten fachliche Hilfe

Um die Allergieauslöser eindeutig festzustellen, ist eine sorgfältige Diagnostik durch einen Allergologen notwendig und wichtig. Abzuraten ist von unseriösen Tests auf spezifisches Immunglobulin G (IgG) zum Nachweis einer Nahrungsmittel-Allergie. Die Ergebnisse der kostenpflichtigen Tests auf IgG oder IgG4 sind im Gegensatz zur Untersuchung von spezifischen IgE-Antikörpern nicht geeignet, um krankheitsrelevante Allergieauslöser festzustellen. „Die IgG-Tests führen meistens zu unnötigen und sehr eingeschränkten Diäten“, warnt die Ernährungsfachberaterin Imke Reese. Nur die fachärztliche Behandlung beim Allergologen in Zusammenarbeit mit einer kompetenten Ernährungsberatung kann helfen, mit der Nahrungsmittel-Allergie zu leben und Risiken zu vermeiden.

1.   Bischoff SC: Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Gastroenterologie up2date2 2:133-148, 2006.

2.   Reese I, Constien A, Schäfer C: Richtig einkaufen bei Nahrungsmittel-Allergien. Stuttgart, TRIAS Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG, 2007.

Buchtipps

·      Constien A, Reese I, Schäfer C: Praxisbuch Lebensmittelallergie. Südwest Verlag, München, 2007. ISBN 978-3-517-08286-8

·      Reese I, Constien A, Schäfer C: Richtig einkaufen bei Nahrungsmittel-Allergien. TRIAS Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2007. ISBN 978-3-8304-3351-4

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