Rund acht Millionen Gräserpollenallergiker
in Deutschland
Keine
Chance den Gräserpollen
Etwa
ein Viertel der deutschen Bevölkerung leidet an
Heuschnupfen. Davon reagiert ungefähr die Hälfte
allergisch auf Gräserpollen. Diesen Allergikern steht im
Sommer oft eine monatelange Leidenszeit bevor. „In
diesem Jahr begann der erste starke Gräserpollenflug bei
uns in Freiburg bereits am 18. April. Etwa zwei bis drei
Wochen früher als in den letzten Jahren“, sagt der
Medizin-Meteorologe Dr. Klaus Bucher vom Deutschen
Wetterdienst in Freiburg. Als „stark“ wird der
Pollenflug dann bezeichnet, wenn die Pollenanzahl 30 pro
Kubikmeter Luft oder mehr beträgt. Bucher zufolge habe
sich der Gräserpollenflug schon vor Jahren auf eine
relativ lange Periode von über vier Monaten eingependelt.
Meistens endet die Gräserpollensaison erst im August.
„Aufgrund der ausgedehnten Blühzeit müssen
Heuschnupfen-kranke mit lang anhaltenden Symptomen
rechnen“, so Professor Karl-Christian Bergmann,
Allergologe an der Berliner Charité und Mitglied der
Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie (DGAKI). „Viele Gräserallergiker zeigen
bereits jetzt zum Sommerbeginn schwere allergische
Reaktionen. Immer aggressiver werdende Pollen könnten der
Grund hierfür sein. Die Pollenzahlen pro Kubikmeter Luft
haben sich bisher nicht wesentlich verändert.“
Umweltschadstoffe
wie Nitrate, Kohlendioxid oder Dieselstaub können eine
Verbindung mit den Pollen eingehen. Das Immunsystem eines
Allergikers reagiert darauf mit einer verstärkten entzündlichen
Reaktion. Es produziert mehr für Allergien typische
Botenstoffe, die wiederum typische Anzeichen von
Heuschnupfen auslösen können: eine verstopfte oder ständig
laufende Nase, häufige Niesanfälle, rote und juckende
Augen sowie Müdigkeit und Kopfschmerzen. Unbehandelt kann
sich die Erkrankung von den oberen Atemwegen in die
unteren ausweiten („Etagenwechsel“). Die Bronchien der
Lunge entzünden sich und die Folge ist Asthma. Erstes
Warnsignal hierfür ist häufig ein nächtlicher
Hustenreiz. Bei vermehrt auftretendem Hustenreiz sollte
ein Facharzt aufgesucht werden.
Ratschläge
für Heuschnupfengeplagte
Die
Behandlung von Heuschnupfen stützt sich auf drei Säulen:
·
Vermeidung des Allergieauslösers
·
Symptomatische Behandlung allergischer
Reaktionen
·
Durchführung der spezifischen Immuntherapie
(SIT), bei der die Ursache der Allergie behandelt wird
Vollständig
meiden können Pollenallergiker die Allergene nicht. Gräserpollen
verbreiten sich über viele Kilometer in der Luft und
bleiben an Kleidung und Haaren kleben. Um die Belastung für
den Körper so gering wie möglich zu halten, sollten
Betroffene folgende Regeln beachten:
Haare abends waschen
Kleidung nicht im Schlafzimmer wechseln
Pollenfilter im Auto installieren
Pollenschutzgitter an den Fenstern anbringen
Tageszeitenabhängiger Aufenthalt im Freien
„Vor
allem vormittags und mittags sollten Gräserpollenallergiker
sich in Gebäuden aufhalten. Um diese Tageszeit ist die
Allergenbelastung häufig am stärksten. Das Anbringen
eines Pollenschutzgitters am Fenster ist sehr sinnvoll.
Seine getestete Hemmwirkung liegt bei 97 Prozent,“ weiß
Professor Bergmann von der DGAKI.
Über
den täglichen Pollenflug informieren regionale
Pollenflugvorhersagen (Radio, Fernsehen, Zeitungen).
Allergiker finden außerdem Hinweise im Internet unter
www.dwd.de
www.donnerwetter.de
www.polleninfo.org
www.pollenstiftung.de
Gegen
die Symptome des Heuschnupfens wirken
Antihistamintabletten und kortisonhaltige Nasensprays.
Betroffene sollten für eine geeignete Therapie einen
allergologisch ausgebildeten Facharzt aufsuchen.
„Kortison ist stark entzündungshemmend und lässt die
Nasenschleimhaut abschwellen. Und keine Angst: Das
Medikament gelangt nicht in den gesamten Körper.
Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten“, beruhigt
Professor Claus Bachert, Vorstandsmitglied der DGAKI und
Leiter der HNO-Universitätsklinik Gent in Belgien.
Spezifische
Immuntherapie beugt Asthma und neuen Allergien vor
Antihistamintabletten
und Nasensprays behandeln lediglich die Symptome des
allergischen Schnupfens. Einzige ursächlich wirkende
Behandlungsmöglichkeit ist derzeit die spezifische
Immuntherapie – auch Hyposensibilisierung oder
Allergietherapie genannt. Die Folge ist ein weniger
empfindliches Immunsystem. So hatten Kinder, die über
drei Jahre Spritzen mit Gräserpollen-Allergenen
erhielten, bis zu zwölf Jahre lang sehr viel geringere
allergische Symptome als zuvor.1 Darüber
hinaus verhindert eine SIT bei jedem zweiten Kind einen
Etagenwechsel zum allergischen Asthma.2 Sowohl
bei Kindern als auch bei Erwachsenen reduziert die
Immuntherapie weiterhin die Entstehung neuer Allergien.
Dies belegt eine Studie mit 6.750 Patienten zwischen zwölf
und 46 Jahren.3
Innovation
in der Allergietherapie: Die Gräser-Impf-Tablette
Seit
November 2006 steht als innovative Darreichungsform eine
Gräser-Impf-Tablette zur Verfügung. Sie enthält
Allergene des Wiesenlieschgrases (Phleum pratense)
und wird einmal täglich unter die Zunge gelegt. Das
Hauptallergen aus Wiesenlieschgras-Pollen ist sehr ähnlich
dem anderer Gräser wie Honig-, Hundszahn-, Rispen-, Knäuel-,
Ruch- und Straußgras und Roggen. „Patienten, die mit
der Impf-Tablette therapiert wurden, sind deshalb auch
gegen andere Gräser- und Roggenpollen gewappnet,“ sagt
Professor Bachert von der DGAKI. Für eine optimale
Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie empfiehlt er
auch hier eine drei bis fünf jährige Behandlung bei
einem Allergologen. „Die Gräser-Impf-Tablette kann als
Basisterapie einfach zu Hause angewendet werden“, so
Bachert. „Die Patienten müssen die Tablette einmal täglich
einnehmen. Sie können den Zeitpunkt selbst wählen.“
Die Einnahme muss jedoch immer zur gleichen Zeit erfolgen.
1. Eng
PA et al.: Twelve-year follow-up after discontinuation of
preseasonal grass pollen immunotherapy in childhood.
Allergy 2006 Feb; 61(2):198-201
2. Valovirta
E, et al.: A 3-year course of subcutaneous specific
immunotherapy results in long-term prevention of asthma in
children. 10-year follow-up on the PAT study. J Allergy
Clin Immunol (2006), 117, No 3: page 721
3. Marogna
M et al.: The type of sensitizing allergen can affect the
evolution of respiratory allergy. Allergy 2006 Oct;
61(10):1209-15
4. Asero
R: Pollen specific immunotherapy is not a risk factor for
de novo sensitization to cross-reacting allergens in
monosensitized subjects. J Investig Allergol Clin Immunol.
2006; 16(4):253-7
Keine
Chance den Gräserpollen
Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung leidet
an Heuschnupfen. Davon rea-giert ungefähr die Hälfte
allergisch auf Gräserpollen. Diesen Allergikern steht
im Sommer oft eine monatelange Leidenszeit bevor. "Aufgrund
der ausgedehnten Blühzeit müssen Heuschnupfenkranke
mit lang anhaltenden Symptomen rechnen", so Professor
Karl-Christian Bergmann, Allergologe an der Beliner Charité
und Mit-glied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie
und klinische Immunologie (DGAKI). Unbehandelt kann sich
Heuschnupfen von den oberen Atemwegen in die unteren ausweiten
("Etagenwechsel"). Die Bronchien der Lunge entzünden
sich und die Folge ist Asthma. Erstes Warnsignal hierfür
ist häufig ein nächtlicher Hus-tenreiz. Bei
vermehrt auftretendem Hustenreiz sollte ein Facharzt aufgesucht
wer-den. Die Behandlung von Heuschnupfen stützt sich
auf drei Säulen: Vermeidung des Allergieauslösers,
medikamentöse Behandlung der allergischen Symptome
und Durchführung einer spezifischen Immuntherapie
(SIT), bei der die Ursache der Allergie behandelt wird.
Nach einer SIT ist das Immunsystem weniger empfindlich.